Jede zweite vollzeitbeschäftigte Person in Deutschland hat bereits einen Job aufgrund ihrer mentalen Gesundheit aufgegeben. In der Generation Z sind es sogar 81 %, bei Millennials 68 %.
Trotzdem schleicht sich bei vielen Gesprächen zu Investitionen in die mentale Gesundheit von Mitarbeitenden ein Denkfehler ein: Sie werden als ein reiner Kostenfaktor gesehen.
Dabei zeigt der Blick auf die Daten das Gegenteil: Nichts zu tun ist um einiges teurer: Krankheitstage steigen, die Fluktuation verstärkt sich und Präsentismus lässt die Produktivität sinken. Das macht mentale Gesundheitsinitiativen zu einem strategischen Investment.
Dieser Artikel zeigt die Kosten, die durch die Nichtinvestition entstehen, die Vorteile von mentalen Gesundheitsbenefits und stellt ein Template zur Verfügung, mit dem HR-Verantwortliche die Kosten für ihr Unternehmen berechnen können.
So funktioniert das Template
Das Berechnungs-Template übersetzt die Inhalte dieses Artikels in eine Kalkulation für dein Unternehmen. Du gibst grundlegende Inputs ein – Anzahl der Mitarbeitenden, Durchschnittsgehalt, durchschnittliche Krankheitstage, Fluktuationsrate – und basierend auf aktuellen Benchmarks berechnet das Template die jährlichen Kosten für Krankheitstage, Fluktuation und Präsentismus, die auf psychische Belastung zurückzuführen sind.
Welche Kosten entstehen, wenn Unternehmen nicht in die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden investieren?
1. Krankheitstage
Der Trend ist eindeutig. Daten der AOK aus 2025 zeigen:
- Psychische Erkrankungen verursachen inzwischen 43 % mehr Ausfalltage als noch vor zehn Jahren.
- Psychische Erkrankungen sind der größte Treiber für den Anstieg der Langzeiterkrankungen: Die AU-Tage durch psychische Erkrankungen mit einer Dauer von mehr als sechs Wochen sind zwischen 2016 und 2025 stark gestiegen
Auch der DAK-Report bestätigt: Psychische Erkrankungen zählen kontinuierlich zu den häufigsten Gründen für lange Krankheitsausfälle und treiben damit die durchschnittliche Zahl der Ausfalltage weiter nach oben.
Rechenbeispiel: 500 Mitarbeitende
Das Modell nutzt Durchschnittswerte für Krankheitstage und berücksichtigt, dass rund 17 % davon auf psychische Erkrankungen zurückzuführen sind. Jeder dieser Tage verursacht direkte Kosten in Höhe des anteiligen Tagesgehalts.
Ausgangsdaten
- Mitarbeitende: 500
- Durchschnittsgehalt: 55.000 €
- Durchschnittliches Tagesgehalt: 55.000 € ÷ 240 Arbeitstage = 229 €
- Krankheitstage: 22 Tage/Jahr
- Psychisch bedingte Fehltage: 3,74 Tage pro Mitarbeitendem
500 × 3,74 psychisch bedingte Tage × 229 € ≈ 428.200 € pro Jahr
Knapp 430.000 € – allein für die psychisch bedingten Fehltage. Die Produktivitätsverluste im Team sind hier gar nicht erst eingerechnet.
2. Fluktuation
Mentale Gesundheit und Wechselbereitschaft hängen eng zusammen. Wenn akute psychische Belastungen zu lange ignoriert werden, sehen betroffene Mitarbeitende eine Kündigung oft als den einzigen Ausweg.
Für Unternehmen bedeutet das doppelte Kosten: Zum einen direkte Aufwände für die Neubesetzung bzw. Recruiting, Onboarding und den Wissensverlust. Zum anderen sinken Produktivität und Umsetzungsgeschwindigkeit, weil erfahrene Mitarbeitende wegfallen und neue Kolleg:innen erst Zeit brauchen, um vollständig wirksam zu werden.
Die Faustregel aus der HR-Praxis: Die Neubesetzung einer Position kostet, je nach Rolle und Seniorität, das 1,5- bis 2,5-Fache des Jahresgehalts.
Rechenbeispiel: 500 Mitarbeitende
Ausgangsdaten
- Mitarbeitende: 500
- Durchschnittsgehalt: 55.000 €
- Fluktuationsrate: 7 % (35 Mitarbeitende pro Jahr)
Bei einer durchschnittlichen Fluktuationsrate von 7 % verlassen in einem Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden 35 Personen pro Jahr die Organisation. Nimmt man an, dass eine Neubesetzung das 1,5-fache des Jahresgehalts kostet, ergibt sich folgende Rechnung:
35 × 1,5 × 55.000 € ≈ 2.887.500 € pro Jahr
Das ist die mit Abstand größte Position im Business Case.
3. Produktivitätsverlust durch Präsentismus
Präsentismus, also reduzierte Leistungsfähigkeit trotz Anwesenheit, ist einer der am häufigsten unterschätzten Kostentreiber. Laut Weltgesundheitsorganisation verursacht Präsentismus weltweit Produktivitätsverluste in Billionenhöhe. Präsentismus kann etwa doppelt so hohe Kosten verursachen wie Absentismus. Hinzu kommt: Mitarbeitende, die zur Arbeit gehen, obwohl sie krank oder bereits belastet sind, verschleppen ihre Symptome und fallen später oft länger aus.
Rechenbeispiel: 500 Mitarbeitende
Wenn die Kosten für Präsentismus etwa doppelt so hoch liegen wie die der psychisch bedingten Fehltage (siehe oben), ergibt das folgende Zahl:
≈ 856.500 € pro Jahr
Die Summe der Untätigkeit
- Krankheitstage: 428.200 €
- Fluktuation: 2.887.500 €
- Präsentismus: 856.500 €
Einem Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden kostet es also bis zu 4,17 Mio. € pro Jahr, wenn es nicht aktiv in die mentale Gesundheit seiner Mitarbeitenden am Arbeitsplatz investiert. Das ist die Hausnummer, gegen die jede Investition gerechnet werden muss.
Was sich verändert, wenn Unternehmen in die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden investieren
Unternehmen, die in die mentale Gesundheit im Team investieren, sparen nicht nur Kosten ein, sondern steigern auch die Motivation, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit im Unternehmen. Mitarbeitende mit guter mentaler Gesundheit sind nachweislich engagierter und leistungsfähiger: 63 % berichten, dass sie besonders produktiv arbeiten, 80 % fühlen sich energiegeladen.
Zufriedenheit & Wohlbefinden
Die von nilo erhobenen Zahlen sprechen für sich. Nach der Nutzung von nilo sehen Mitarbeitende deutliche Veränderungen:
- 96 % der Nutzer:innen berichten, dass sich ihre mentale Gesundheit durch nilo deutlich verbessert hat
- 82 % mit schweren Symptomen erleben eine Verbesserung
- 71 % unter Stress fühlen sich durch nilo besser
Wichtig für HR: nilo wird bis zu zehnmal häufiger genutzt als klassische Employer Assistent Programs, was die Investition pro tatsächlicher Nutzung deutlich effizienter macht.
Produktivität
Hier wird die Wirkung besonders messbar. Die nilo-Daten zeigen: Allein die Nutzung von Inhalten auf der Plattform reduziert unproduktive Tage um 44 %. In der Kombination mit 1:1-Sitzungen Psycholog:innen steigt die Zahl auf 50,3 %.
Innovation
Untersuchungen aus der Kreativitäts- und Arbeitsplatzforschung zeigen: Mental belastbare Mitarbeitende bewältigen anspruchsvolle Aufgaben nicht nur effizienter, sondern bringen auch häufiger neue Ideen ein. Innovation entsteht in Köpfen, die die Kapazität haben, über das Tagesgeschäft hinauszudenken.
Vorbereitung auf Veränderungsprozesse
Organisatorische Veränderungen sind mental fordernd. Dabei bewerten resiliente Mitarbeitende neue Anforderungen häufiger als Herausforderung statt als Bedrohung.
Die mentale Stärke des Teams entscheidet in Phasen der Umstrukturierung, Transformation oder Veränderung über deren Erfolg. Wenn Unternehmen schon vor dem nächsten Change-Projekt in die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden investieren, haben sie einen massiven Vorsprung.
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