Wie die Finanzkrise die mentale Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden beeinflusst – und wie Sie Ihr Team unterstützen können

Die vergangenen sechs Monate haben einige neue Herausforderungen mit sich gebracht, sowohl auf globaler als auch auf individueller Ebene. Nachdem wir zwei Jahre lang mit den Belastungen und Unsicherheiten der Pandemie zurechtgekommen mussten, waren unsere Nerven bereits stark strapaziert. Jetzt, wo die weit verbreitete Inflation und die geopolitische Instabilität die Versorgungsketten und Energiepreise in Mitleidenschaft ziehen, spüren viele Arbeitnehmende außerdem den Druck, ihre täglichen finanziellen Herausforderungen zu meistern – und blicken besorgt in die Zukunft. 

Wie hängen finanzielle Sicherheit und mentale Gesundheit zusammen?

Finanzieller Stress ist weltweit die häufigste Ursache für Stress allgemein. Die besondere Herausforderung von finanzieller Unsicherheit – noch größer als die des „traditionellen“ psychischen Stress – besteht darin, dass er oft alle Aspekte des Lebens von Arbeitnehmenden betrifft, nicht nur die Arbeitszeit. Man könnte diese Art von Stress auch als „Superstressor“ bezeichnen.

Eine PwC-Umfrage zum finanziellen Wohlbefinden von Arbeitnehmenden aus dem Jahr 2022 ergab, dass persönliche finanzielle Probleme die Beschäftigten sowohl körperlich, emotional, mental als auch sozial beeinträchtigen­.

Von den Arbeitnehmenden, die das Gefühl hatten, dass sie finanziellem Stress ausgesetzt waren, gaben 49% an, dass Geldsorgen „im vergangenen Jahr eine schwere oder erhebliche Auswirkung auf ihre mentale Gesundheit“ hatten, 33% sagten, dass diese Sorgen ihren Schlaf negativ beeinflussten, 30% gaben an, dass ihre Sorgen „ihr Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigt“ hätten, während 23 % bzw. 20 % angaben, dass dies auch schwerwiegende Auswirkungen auf ihre körperliche Gesundheit und ihre privaten Beziehungen hatte. 

Darüber hinaus führen Schuld- und Schamgefühle, die durch finanzielle Ängste entstehen, häufig dazu, dass sich Menschen aus ihrem Sozialleben zurückziehen, was wiederum zu Depressionen führen kann – zahlreiche Studien weisen sogar darauf hin, dass finanzieller Stress einer der Hauptauslöser für Selbstmord ist.

Der Druck steigt von allen Seiten

Die PWC-Umfrage wurde im Januar und Februar dieses Jahres durchgeführt, also noch vor dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Dennoch gaben schon damals zwei von fünf Arbeitnehmenden an, dass ihre größten finanziellen Ängste auf den Anstieg der Preise für Konsumgüter zurückzuführen sei. 

Im Mai dieses Jahres erreichten die Inflationsraten in Deutschland den dritten Monat in Folge ein Rekordhoch nach der Wiedervereinigung, und Expert:innen gehen davon aus, dass sich der Anstieg in Deutschland und anderswo in den kommenden Monaten sogar noch fortsetzen wird.

Die Tech-Branche, mit der nilo.health besonders eng zusammenarbeitet, steht ebenfalls vor etlichen Herausforderungen: Marktturbulenzen haben zu Entlassungen bei mehreren großen Unternehmen geführt, darunter Netflix, Bird und Gorillas. Die Nachrichtenseite Protocol berichtet, dass „Ende Mai der S&P 500, der von Tech-Aktien dominiert wird, seit Jahresbeginn über 20% seines Wertes verloren hat.”

Der Mai 2022 war Berichten zufolge auch der verheerendste Monat, was Entlassungen in der Tech-Branche seit Beginn der Pandemie betrifft. Insgesamt wurden seit Anfang 2022 weltweit mindestens 33.000 Mitarbeitende von Technologieunternehmen entlassen – und leider ist dies ein Trend, der nach Einschätzung von Expert:innen auch in den kommenden Monaten anhalten wird.

Bezahlbare psychische Versorgung ist oft nicht gewährleistet

Marta Poll, Psychologin und Direktorin des katalanischen Verbands für mentale Gesundheit, sagt: „Psychische Versorgungsangebote müssen flexibel, zugänglich und schnell sein“. Doch eine Untersuchung vom März 2021 ergab, dass:

„man in mindestens sieben EU-Ländern mehr als einen Monat auf einen Termin bei einem:r Psycholog:in warten muss“ und „in Deutschland, dem EU-Land mit einer der besten Gesundheitssysteme weltweit, müssen Patient:innen im Durchschnitt sogar vier bis fünf Monate warten.“ 

Angesichts der Tatsache, dass psychische Probleme oft nicht einfach aufgeschoben werden können, greifen viele Menschen auf unumgängliche, teure Lösungen zurück und zahlen aus eigener Tasche, um lange Wartezeiten zu umgehen – und erhöhen damit wiederum ihre finanzielle Belastung.

Der Artikel „Impact of Economic Crisis on Mental Health“ (Auswirkungen von Wirtschaftskrisen auf die psychische Gesundheit) der WHO aus dem Jahr 2011 warnt, dass: „Psychische Gesundheitsprobleme, Alkoholexzesse, Selbstmord und (oft auch) alkoholbedingte Todesfälle in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs tendenziell zunehmen, so dass Regierungen die Maßnahmen verbessern müssen, die die mentale Gesundheit fördern.“

Die Autor:innen des Artikels stellten jedoch fest, dass eine solche Verbesserung von Maßnahmen unwahrscheinlich ist – und dies setzt Privathaushalte noch mehr unter Druck. Wenn sich die Krise 2022 noch verschlimmert, droht sich die Situation für Arbeitnehmende in Europa und weltweit weiter zu verschärfen.

Warum Führungskräfte jetzt aktiv werden sollten

Angesichts der vielen Nöte, mit denen sich Mitarbeitende derzeit konfrontiert sehen und der Tatsache, dass sie auch “nicht besonders zuversichtlich [sind], dass Hilfe unterwegs ist“, ist es für Unternehmen wichtiger denn je, einen großen Teil der Last von ihren Beschäftigten zu nehmen, indem sie einen proaktiven und präventiven Ansatz für die mentale Gesundheit verfolgen. 

„Arbeit sollte eine stabilisierende Kraft im Leben von Menschen sein“ sagt Jim Harter, leitender Wissenschaftler für Arbeitsplatzmanagement bei Gallup. Angesichts der Anzahl der Stunden, die wir Menschen auf der Arbeit verbringen, der gesetzlichen „Fürsorgepflicht“, die Arbeitgeber für die Gesundheit, die Sicherheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden haben, und der Zunahme von Programmen zur Sensibilisierung für die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz sollte die Behauptung von Harter nicht überraschend für Führungskräfte sein – dennoch ist es offensichtlich, dass einige immer noch der Meinung sind, dass die Verantwortung für „persönliche“ Angelegenheiten bei den Mitarbeitenden selbst liegt. 

Im Gegensatz dazu hat der Mental Health at Work Report von Mind Share Partners aus dem Jahr 2021 herausgefunden, dass Arbeitnehmende, die sich von ihrem Arbeitgeber in Fragen der mentalen Gesundheit unterstützt fühlen „seltener unter psychischen Symptomen leiden, seltener schlechte Leistungen erbringen oder der Arbeit fernbleiben, und eine höhere Arbeitszufriedenheit aufzeigen sowie die Absicht verfolgen, langfristig in ihrem Unternehmen zu bleiben.“

PWC stellte ebenfalls fest, dass

„Geldprobleme eine wichtige Ursache für mentale Probleme sein können, die sich direkt auf essentielle Bereiche wie Produktivität, Mitarbeiterbindung, Anwesenheit und allgemeines Engagement auswirken können.“ 

Mitarbeitervorteile für die mentale Gesundheit: eine Investition, von der alle profitieren

Wie wir gelernt haben, sollten Versorgungsangebote für die mentale Gesundheit „flexibel, zugänglich und schnell“ sein – und das in Zeiten, in denen es der Wirtschaft gut geht. Doch die Bewältigung eines Superstressors wie finanziellem Druck erfordert noch stärkere Lösungen.

Die Deloitte-Studie „Mental Health and Employers“ (Psychische Gesundheit und Arbeitgeber) identifiziert die effektivsten Initiativen zur mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz als diejenigen, die „langfristig in die Organisation eingebettet sind und ein breites Spektrum an Interventionen bieten“. Die Studie empfiehlt Arbeitgebern den folgenden 6-stufigen Ansatz:

  • Setzen Sie Prioritäten, die die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz fördern, indem Sie dafür ein systematisches Programm entwickeln und durchführen.
  • Stellen Sie sicher, dass die Arbeitsweise und Unternehmenskultur sich positiv auf die mentale Gesundheit Ihres Teams auswirken.
  • Fördern Sie eine offene Unternehmenskultur in Bezug auf mentale Gesundheit
  • Stärken Sie das Selbstvertrauens und die Fähigkeiten Ihrer Organisation
  • Stellen Sie Instrumente bereit, die die mentale Gesundheit fördern
  • Erhöhen Sie die Transparenz durch interne und externe Berichterstattung

Als ideale Ergänzung zu solchen unternehmensinternen Maßnahmen hat sich nilo.health mit seinem umfassenden Serviceangebot, das 1:1-Videositzungen, gezielte digitale Tools und Schulungen, Leitfäden und Expertenwissen umfasst, einen Namen als zuverlässiger Partner für Unternehmen gemacht, die die Förderung der mentalen Gesundheit zu einem grundlegenden Wert und zu einem wichtigen Mitarbeitervorteil für ihr Team machen wollen. Unser Corporate Sanity-Guide enthält eine Reihe konkreter Instrumente für die Einführung und Umsetzung von Initiativen zur mentalen Gesundheit, wie sie von Deloitte empfohlen werden.

Mit Maßnahmen zur Förderung der mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz erzielen Arbeitgeber einen durchschnittlichen ROI von 5:1 – erst Recht in Zeiten finanzieller Ungewissheit sind solche Mitarbeiterleistungen also zweifellos eine gute Investition.   

Geben Sie Ihrem Team die Ressourcen, die es braucht, und bewältigen Sie auch noch so schwierige Zeiten – gemeinsam. Zögern Sie nicht lange und kontaktieren Sie nilo.health noch heute für eine kostenlose Demo.

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