Ramadan und mentale Gesundheit: Wie der Fastenmonat das Wohlbefinden beeinflusst

Dieser Artikel wurde von Imen Besrour verfasst.

Mentale Gesundheit im Ramadan wird oft übersehen, dabei spielt sie eine wichtige Rolle. Für viele Muslim:innen weltweit ist der Fastenmonat eine besondere spirituelle Zeit – aber auch eine Phase großer Veränderungen im Alltag. Diese können sich auf die psychische Gesundheit auswirken.

Ramadan bringt Herausforderungen, aber auch wertvolle Chancen für das eigene Wohlbefinden. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann den Monat bewusster erleben und innere Ruhe finden.

In diesem Artikel erfährst du, wie das Fasten deine mentale Gesundheit beeinflusst, welche positiven Effekte es haben kann und wie du dein Wohlbefinden während des Monats stärkst. Egal, ob du selbst fastest oder andere unterstützen möchtest – dieser Leitfaden hilft dir, den Ramadan mit mehr Achtsamkeit und Verständnis zu gestalten.

Worum geht es im Ramadan wirklich?

Ramadan bedeutet für Muslim:innen weit mehr als den Verzicht auf Essen und Trinken. Es ist eine Zeit, um die eigenen Prioritäten neu zu setzen, Ablenkungen zu reduzieren und sich auf den Glauben zu konzentrieren. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasten Gläubige nicht nur von Nahrung, Getränken und Rauchen, sondern auch von bestimmten Verhaltensweisen wie Wut.

Nach Sonnenuntergang wird das Fasten mit dem Iftar gebrochen, während der Tag oft mit einer Mahlzeit vor der Morgendämmerung, dem Imsak, beginnt. Neben dem Fasten stehen Gebet, Besinnung und Wohltätigkeit im Mittelpunkt des Monats.

Diese spirituelle Zeit verändert auch den Alltag: Der Schlafrhythmus verschiebt sich, das Energielevel schwankt, und gewohnt Abläufe verändern sich grundlegend. Diese Umstellungen können sich sowohl positiv als auch herausfordernd auf die mentale Gesundheit auswirken – ein guter Grund, dieses Thema näher zu betrachten.

Herausforderungen für die mentale Gesundheit im Ramadan

So erfüllend der Ramadan auch ist, die damit verbundenen Veränderungen können das seelische Wohlbefinden belasten. Zu den möglichen Stressfaktoren gehören:

1. Gestörter Schlafrhythmus

Das frühe Aufstehen für die Mahlzeit vor Sonnenaufgang und das lange Wachbleiben für die nächtlichen Gebete (Taraweeh) verkürzt oft die Schlafzeit. Besonders in der Umstellungsphase kann das zu Müdigkeit, Energiemangel und Reizbarkeit führen.

2. Körperliche Belastung

Lange Fastenstunden – besonders in heißen Monaten oder Regionen mit langen Tagen – können die Konzentration beeinträchtigen. Wird die körperliche Belastung nicht gur ausgeglichen, kann sie auch die emotionale Resilienz schwächen.

3. Balancing zwischen Verpflichtungen

Auch während des Fastens müssen Arbeit, Familie und religiöse Pflichten unter einen Hut gebracht werden. Besonders am Nachmittag, wenn die Energie nachlässt, kann dieser Spagat belastend sein.

Für Menschen mit bereits bestehenden psychischen Erkrankungen können diese Herausforderungen noch intensiver wirken. Oft stellt sich die Frage: Darf man fasten, wenn man psychische Probleme hat? Die Antwort darauf ist individuell und nicht immer so eindeutig wie bei physischen Einschränkungen.

Viele religiöse Gelehrte und Fachleute für mentale Gesundheit empfehlen, sich beraten zu lassen, um das Fasten an die eigene Gesundheit anzupassen. Niemand sollte fasten, wenn es der eigenen Gesundheit schadet.

Wie Ramadan die mentale Gesundheit stärkt

Der Ramadan bringt nicht nur Herausforderungen mit sich, sondern auch viele positive Effekte für die mentale Gesundheit. Für viele Muslim:innen fühlt sich dieser Monat wie ein Neustart an – für die Seele und den Geist. Warum?

1. Achtsamkeit und spirituelle Verbundenheit

Ramadan lädt dazu ein, innezuhalten, sich auf den Glauben zu besinnen und Dankbarkeit zu praktizieren. Gebete und Reflexionen helfen, Stress abzubauen und innere Ruhe zu finden. Das bewusste Leben im Moment – Achtsamkeit – kann das emotionale Wohlbefinden spürbar verbessern.

2. Gemeinschaft und Zusammenhalt

Fasten verbindet. Familien, Freundeskreise und ganze Gemeinschaften kommen zusammen, um Mahlzeiten und Gebete zu teilen. Dieses Miteinander stärkt das Gefühl der Zugehörigkeit und gibt emotionale Unterstützung.

3. Selbstdisziplin

Das Fasten fördert Geduld und Selbstkontrolle – und mit jeder überstandenen Herausforderung wächst das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Viele empfinden dadurch mehr innere Stabilität und lernen, ihre Emotionen bewusster zu steuern.

4. Digitaler und mentaler Detox

Viele nutzen den Ramadan, um sich von Ablenkungen wie ständiger Erreichbarkeit oder übermäßigem Medienkonsum zu lösen. Diese bewusste Pause schafft Raum für Klarheit, neue Prioritäten und mentale Entlastung.

All das zeigt: Ramadan und Wohlbefinden gehen Hand in Hand. Mit einer achtsamen Vorbereitung kann der Monat zu einer wertvollen Zeit der inneren Erneuerung werden.

So schützt du deine mentale Gesundheit im Ramadan

Um den Ramadan in vollen Zügen zu genießen, ist es wichtig, neben spirituellen Verpflichtungen auch auf das eigene Wohlbefinden zu achten. Diese praktischen Tipps helfen dabei, beides in Balance zu halten:

  1. Finde einen ausgewogenen Rhythmus (wenn möglich): Der Schlaf wird oft im Ramdan unterbrochen. Versuche, wenn nötig, Ruhepausen einzulegen – selbst kurze Nickerchen können Wunder für deine Energie und Stimmung bewirken.
  2. Setze auf nährstoffreiche Mahlzeiten: Bei Imsak und Iftar lohnt es sich, auf ausgewogene Lebensmittel zu achten, die langfristig Energie liefern – zum Beispiel Vollkornprodukte, mageres Eiweiß und viel Obst und Gemüse. Zuckerhaltige Speisen hingegen können zu Energieschwankungen führen.
  3. Genügend trinken: Achte darauf, zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ausreichend Wasser zu trinken. Flüssigkeitsmangel kann die Konzentration beeinträchtigen und die emotionale Balance stören.
  4. Realistische Ziele setzen: Ramadan ist kein Wettrennen. Erlaube dir, Tempo herauszunehmen und deine Arbeitsbelastung anzupassen, wenn nötig. Überfordere dich nicht mit zu vielen Verpflichtungen, die dich erschöpfen könnten.
  5. Austausch mit anderen: Teile deine Erfahrungen mit Familie, Freund:innen oder einer unterstützenden Gemeinschaft. Das hilft, Stress abzubauen und motiviert durch den Monat.

Wer diese Tipps beachtet, kann die spirituellen Vorteile des Fastens genießen, ohne die eigene mentale Gesundheit zu vernachlässigen.

So unterstützt du fastende Kolleg:innen im Ramadan

Wenn du mit jemandem zusammenarbeitest, der im Ramadan fastet, können schon kleine Gesten des Verständnisses viel bewirken. So kannst du Unterstützung zeigen:

Sollte ich fragen, ob jemand fastet?

Ja, aber nur mit Respekt und Feingefühl. Eine freundliche, interessierte Frage kann zeigen, dass du ihr/sein Erlebnis verstehen möchtest. Vermeide jedoch aufdringliche Nachfragen oder wiederholtes Thematisieren.

Kann ich jemadnem einen gesegneten Ramadan wünschen?

Auf jeden Fall! Sätze wie “Ramadan Mubarak” oder “Ramadan Kareem” sind wertschätzende Möglichkeiten, Unterstützung und Respekt zu zeigen.

Welche Fragen sollte ich vermeiden?

Fragen wie “Hast du nicht unglaublich Hunger?” oder Bemerkungen darüber, wie anstrengend das Fasten sein muss, können unpassend wirken. Stattdessen ist es hilfreicher, Empathie zu zeigen und praktische Unterstützung anzubieten.

Wie kann ich Rücksicht auf fastende Kolleg:innen nehmen?

  • Meetings zu Zeiten ansetzen, in denen die Energie höher ist – für manche ist das morgens, für andere später am Tag.
  • Sensibel mit Arbeitsessen oder Teamevents umgehen, bei denen Essen im Mittelpunkt steht.
  • Falls möglich, Flexibilität bei Arbeitszeiten oder Pausen anbieten.

Ein inklusives Arbeitsumfeld stärkt nicht nur das Miteinander, sondern auch das gegenseitige Verständnis. Egal, ob du selbst fastest oder jemanden dabei unterstützt – kleine Gesten wie durchdachte Terminplanung, wertschätzende Gespräche oder einfach ein wenig Rücksicht können eine große Wirkung. Ramadan ist mehr als nur ein Fastenmonat – es ist eine Zeit der inneren Einkehr, Selbstdisziplin und Verbundenheit.

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