Führungskräfte stehen unter permanentem Druck – und sind deshalb besonders anfällig für ein Burnout. Trotzdem wird Burnout bei Führungskräften in vielen Unternehmen noch immer tabuisiert. Dabei zeigen aktuelle Zahlen eine klare Tendenz: Die Belastung in Führungsetagen steigt kontinuierlich.
In diesem Artikel zeigen wir, warum Burnout in Führungspositionen kein Einzelfall ist, welche Anzeichen & Symptome bei Führungskräften frühzeitig erkannt werden sollten und welche Maßnahmen zur Burnout-Prävention bei Führungskräften wirklich helfen.
Warum ist Burnout für Führungskräfte ein relevantes Thema?
Burnout bei Führungskräften ist längst kein Einzelfall mehr. Im Gegenteil: Sie sind besonders häufig von mentaler Erschöpfung betroffen – mit entsprechend hohen Ausfallzeiten. Laut Statista entfielen im Jahr 2023 die meisten Burnout-Krankheitstage auf Berufe in der Führungsebene.
Die Auswirkungen sind vielschichtig:
- Wirtschaftlich: Burnout führt zu Fehlentscheidungen, sinkender Produktivität und langfristigem Ausfall von Schlüsselpersonen.
- Persönlich: Betroffene erleben psychosomatische Beschwerden, emotionale Erschöpfung und soziale Isolation.
Besonders kritisch: Als zentrale Steuerungsfiguren wirken sich die Einschränkungen von Führungskräften unmittelbar auf Mitarbeitende, Teams und Prozesse aus. Umso wichtiger ist es, Burnout-Prävention bei Führungskräften frühzeitig ernst zu nehmen.
Ursachen & Faktoren für Burnout bei Führungskräften
Das Risiko für Burnout steigt vor allem dann, wenn verschiedene Belastungsfaktoren gleichzeitig wirken. Bei Führungskräften ist das besonders häufig der Fall. Sie tragen die Verantwortung, strategische Ziele zu erreichen und das operative Tagesgeschäft zu steuern. Oft fehlen ausreichend Ressourcen, klare Zuständigkeiten oder Austauschformate, um mit dieser Doppelbelastung konstruktiv umzugehen. Wenn sich dann persönliche Überzeugungen wie Perfektionismus mit strukturellen Defiziten im Unternehmen überlagern, entsteht eine Dynamik, die auf Dauer in die Erschöpfung führt.
Die folgenden Faktoren begünstigen ein Burnout bei Führungskräften – oft wirken sie nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig.
Arbeitsbedingte Faktoren
- Hoher Erfolgsdruck und ständige Erreichbarkeit
Führungskräfte arbeiten meist unter konstantem Erfolgsdruck. Zielvereinbarungen, Budgetverantwortung und die Erwartung, stets schnell und kompetent zu handeln, gehören zum Alltag. Gleichzeitig verwischen die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben für viele Menschen mit Führungsverantwortung. Die dauerhafte Erreichbarkeit verhindert Regeneration und erhöht die mentale Belastung massiv. - Spagat zwischen Team und Geschäftsführung
Führungskräfte befinden sich oft in einer Sandwichposition: Sie müssen die Erwartungen der Geschäftsführung erfüllen und dabei die Bedürfnisse des eigenen Teams im Blick behalten. Zwischen unternehmerischem Zielerreichungsdruck und dem Anspruch, ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen, entsteht ein permanenter Spagat. Dieser ständige Rollenwechsel – verbunden mit teils widersprüchlichen Anforderungen – führt zu innerem Druck und emotionaler Erschöpfung. - Fehlende Wertschätzung
Trotz großer Verantwortung und hohem Einsatz fühlen sich viele Führungskräfte nicht ausreichend gesehen. Lob, Wertschätzung oder schlicht ehrliches Feedback fehlen im Führungsalltag häufig. Das Gefühl, nur bei Fehlern wahrgenommen zu werden, kann die emotionale Erschöpfung weiter verstärken.
Persönliche Faktoren
- Perfektionismus
Viele Führungskräfte stellen extrem hohe Ansprüche an sich selbst. Fehler gelten als Makel, das Zeigen von Schwäche wird vermieden – oft aus Angst, nicht mehr als souverän wahrgenommen zu werden. Diese innere Haltung führt dazu, dass Pausen als Zeichen von Schwäche interpretiert und eigene Bedürfnisse konsequent ausgeblendet werden. Selbstfürsorge bleibt hinter dem Anspruch zurück, jederzeit leistungsfähig und belastbar zu sein – ein Verhalten, das durch das anhaltende Stigma rund um mentale Gesundheit zusätzlich verstärkt wird. - Grenzen setzen fällt schwer
Viele Führungskräfte brennen für ihren Job, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie identifizieren sich stark mit ihrer Rolle, sind hoch engagiert und wollen immer verfügbar sein. Doch genau dieses Verhalten führt langfristig zur Überlastung. Ohne klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit fehlt die Möglichkeit, abzuschalten, sich zu erholen und neue Energie zu tanken. - Vernachlässigung der Selbstfürsorge
Regelmäßige Pausen, Bewegung, gesunde Ernährung oder soziale Kontakte: All das kommt oft zu kurz, wenn Termindruck und Verantwortungsgefühl dominieren. Selbstfürsorge erscheint vielen Führungskräften als Luxus, dabei ist sie die Grundlage für langfristige Leistungsfähigkeit.
Organisatorische Faktoren
- Mangelnde Unterstützung
In vielen Unternehmen fehlt es Führungskräften an echtem Rückhalt. Sparring auf Augenhöhe, vertrauensvolle Austauschformate oder gezieltes Coaching sind selten etabliert. Ohne diesen Rahmen entsteht schnell das Gefühl, mit den Herausforderungen allein zu sein, was die Belastung zusätzlich verstärkt. - Unklare Rollen und Verantwortlichkeiten
Fehlende Klarheit über Aufgaben, Entscheidungsbefugnisse oder Erwartungen führt zu ständiger Unsicherheit. Die Folge: Führungskräfte geraten in Rollenkonflikte, müssen Lücken schließen und Prioritäten laufend neu verhandeln. - Schlechte Unternehmenskultur und fehlende psychologische Sicherheit
Eine Kultur, die ausschließlich auf Leistung fokussiert ist, in der Fehler nicht angesprochen werden dürfen und echte Offenheit fehlt, begünstigt emotionale Erschöpfung. Ohne psychologische Sicherheit entsteht ein Umfeld, in dem sich Führungskräfte nicht erlauben können, Schwächen zu zeigen – mit langfristigen Folgen für Gesundheit und Motivation.
Anzeichen & Symptome von Burnout bei Führungskräften
Burnout wird in der ICD-11 der WHO als arbeitsbezogenes Syndrom beschrieben – kein medizinisches Krankheitsbild im engeren Sinne, sondern die Folge von chronischem Stress, der über längere Zeit nicht erfolgreich bewältigt wurde. Im Zentrum stehen drei zentrale Merkmale: emotionale Erschöpfung, innere Distanz zur Arbeit und ein spürbarer Leistungsabfall.
Gerade bei Führungskräften verläuft Burnout oft schleichend – und bleibt lange unbemerkt. Umso wichtiger ist es, die Anzeichen & Symptome bei Führungskräften frühzeitig zu erkennen:
Körperliche Symptome
- Anhaltende Erschöpfung trotz Erholungsphasen
- Schlafstörungen oder unruhiger Schlaf
- Häufige Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen
Emotionale Symptome
- Gefühl innerer Leere
- Gereiztheit und emotionale Unausgeglichenheit
- Depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit
Kognitive & leistungsbezogene Symptome
- Konzentrationsprobleme und verminderte Aufmerksamkeit
- Nachlassende Motivation
- Sinkende Effizienz bei alltäglichen Aufgaben
Soziale Symptome
- Rückzug aus Teamaktivitäten und Meetings
- Zunehmender Zynismus oder Gleichgültigkeit
- Hoffnungslosigkeit und emotionale Distanzierung
Diese Signale sollten ernst genommen werden – insbesondere dann, wenn sie über Wochen anhalten oder sich verstärken. Frühzeitiges Erkennen ist der erste Schritt, um Burnout-Behandlung bei Führungskräften überhaupt zu ermöglichen.
3 Schritte zur Burnout-Prävention bei Führungskräften
Damit es gar nicht erst zu einem Burnout kommt, braucht es gezielte und frühzeitige Prävention. Burnout-Prävention bei Führungskräften bedeutet, mentale Widerstandskraft systematisch zu stärken – durch klare Routinen, gesunde Strukturen und eine Haltung, die Erholung ebenso ernst nimmt wie Leistung. Zentral ist dabei das Zusammenspiel von individueller Selbstführung und einer Unternehmenskultur, die psychische Gesundheit aktiv fördert. Führungskräfte, die auf sich selbst achten und in einem unterstützenden Umfeld agieren, bleiben nicht nur leistungsfähig, sondern wirken auch stabilisierend auf ihr Team. Die folgenden Ansätze zeigen, wie Prävention in der Praxis gelingen kann.
Selbstmanagement & Selbstfürsorge
Ein zentraler Baustein der Burnout-Prävention bei Führungskräften ist ein gutes Selbstmanagement. Dazu zählt, Aufgaben realistisch zu priorisieren, den Arbeitstag klar zu strukturieren und bewusst zu entscheiden, was tatsächlich wichtig ist. Regelmäßige Pausen und fest eingeplante Erholungsphasen sind essenziell – sie verdienen denselben Stellenwert wie geschäftliche Termine.
Auch die Work-Life-Balance sollte nicht dem Alltagstrubel zum Opfer fallen. Selbstfürsorge ist keine Schwäche, sondern eine zentrale Führungsqualität. Die Verantwortung liegt jedoch nicht allein bei der Einzelperson: Auch Unternehmen sind gefordert, Strukturen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die gesundes Arbeiten langfristig ermöglichen.
Unternehmenskultur & psychologische Sicherheit
Auch die Unternehmenskultur spielt eine zentrale Rolle in der Burnout-Prävention bei Führungskräften. Eine offene Kommunikationskultur ermöglicht es, Belastungen frühzeitig anzusprechen – ohne Angst vor Bewertung oder negativen Konsequenzen.
Entscheidend dafür ist psychologische Sicherheit: ein Umfeld, in dem Rückmeldungen, Unsicherheiten und auch Fehler offen geteilt werden können, ohne den eigenen Status zu gefährden. Führung braucht Räume, in denen Herausforderungen klar benannt und gemeinsam bewältigt werden. Gleichzeitig stärkt ein starker Teamzusammenhalt die mentale Widerstandskraft.
Eine etablierte Feedbackkultur, die nicht nur auf Kritik, sondern auch auf Anerkennung setzt, wirkt zusätzlich stabilisierend. Wertschätzung sichtbar zu machen, ist ein wirkungsvoller Hebel für Motivation und mentale Gesundheit.
Ressourcen & Tools
Ergänzend zu individueller Selbstfürsorge und einer unterstützenden Unternehmenskultur leisten gezielte Ressourcen und Tools einen wichtigen Beitrag zur Burnout-Prävention bei Führungskräften.
Professionelles Coaching oder Mentoring schafft Raum für Reflexion und persönliche Weiterentwicklung – oft genau das, was im Alltag zu kurz kommt. Auch Schulungen und Workshops zu Themen wie Stressmanagement, Resilienz oder mentaler Gesundheit fördern ein bewussteres Selbstmanagement. Der Austausch auf Augenhöhe eröffnet neue Perspektiven und hilft, wieder Klarheit zu gewinnen.
Digitale Plattformen wie nilo ergänzen diese Angebote durch flexible Formate zur Selbstreflexion und Resilienzförderung. Besonders hilfreich: der niederschwellige Zugang zu Psycholog:innen, der dort direkt integriert ist.
Burnout-Behandlung bei Führungskräften
Kommt es zu einem akuten Burnout bei einer Führungskraft, ist gezieltes und umsichtiges Handeln seitens HR entscheidend. Eine schnelle, strukturierte Unterstützung hilft, langfristige Folgen zu vermeiden und eine nachhaltige Stabilisierung einzuleiten. Die folgenden Schritte können dabei als Orientierung dienen:
1. Frühwarnzeichen erkennen
Anhaltende Erschöpfung, sozialer Rückzug, Zynismus oder ein spürbarer Leistungsabfall zählen zu den typischen Warnsignalen. HR sollte darauf achten, diese Symptome frühzeitig zu erkennen und nicht als vorübergehende Schwäche abzutun.
2. Das Gespräch suchen
Ein vertrauliches, empathisches Gespräch mit der betroffenen Führungskraft ist oft der wichtigste erste Schritt. Je nach Situation kann es sinnvoll sein, eine psychologische Fachkraft hinzuzuziehen, etwa zur Einschätzung der Lage oder zur Moderation weiterer Maßnahmen.
3. Unmittelbare Entlastung ermöglichen
Um den akuten Druck zu reduzieren, können HR und die Geschäftsführung gemeinsam konkrete Entlastungen ermöglichen, etwa durch eine temporäre Auszeit, ein Sabbatical oder eine gezielte Umverteilung von Aufgaben im Führungsteam.
4. Professionelle Unterstützung organisieren
Eine nachhaltige Stabilisierung gelingt nur mit externer Begleitung. HR sollte den Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten, Gesprächen mit Psycholog:innen oder Coaching aktiv fördern. Auch digitale Plattformen zur Resilienzstärkung und Stressbewältigung können Teil der Unterstützung sein.
Diese Schritte bilden das Fundament für eine wirksame Burnout-Behandlung bei Führungskräften.
Fazit: Burnout ist ein Warnsignal – kein Versagen
Burnout ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein deutliches Signal für Überforderung. Besonders für Führungskräfte ist es entscheidend, aktiv gegenzusteuern – sowohl für sich selbst als auch im Sinne ihrer Vorbildfunktion. Unternehmen sind gefordert, Strukturen und eine Kultur zu schaffen, die Gesundheit, Resilienz und nachhaltige Führung ermöglichen.
FAQ
Wie sage ich als Führungskraft, dass ich Burnout habe?
Eine offene, sachliche Kommunikation ist der erste Schritt. Wichtig ist, die eigene Erschöpfung klar zu benennen – ohne sich rechtfertigen zu müssen. Formulierungen wie „Ich merke, dass meine Belastungsgrenze erreicht ist“ oder „Ich brauche Unterstützung, um dauerhaft handlungsfähig zu bleiben“ schaffen Verständnis und Verbindlichkeit. Dabei hilft es, proaktiv mögliche nächste Schritte anzusprechen: eine Auszeit, Coaching oder eine temporäre Entlastung. Ein solches Gespräch zeigt nicht Schwäche, sondern Verantwortungsbewusstsein.
Wie kann ich als Führungskraft Burnout vorbeugen?
Prävention beginnt bei der Selbstführung. Dazu gehört, den Arbeitstag klar zu strukturieren, Aufgaben zu priorisieren und regelmäßige Erholungsphasen fest einzuplanen. Selbstfürsorge bedeutet auch, eigene Grenzen zu respektieren – z. B. durch das Setzen von Verfügbarkeitszeiten oder bewusste Pausen. Außerdem ist es entscheidend, ein Umfeld zu schaffen, das psychologische Sicherheit bietet: durch offene Kommunikation, Feedbackkultur und soziale Rückendeckung im Team. Führung bedeutet nicht nur, Leistung zu fordern – sondern auch Bedingungen zu gestalten, unter denen Menschen gesund arbeiten können.
Welche Auswirkungen hat Burnout auf Führungskräfte?
Die Folgen sind vielschichtig: Neben körperlicher und emotionaler Erschöpfung leidet vor allem die Führungsqualität. Auch das Vertrauen der Mitarbeitenden kann schwinden, wenn Präsenz und Verlässlichkeit fehlen. Nicht zuletzt führt ein Burnout häufig zu langen Ausfallzeiten – mit spürbaren Konsequenzen für die gesamte Organisation. Frühzeitiges Handeln ist deshalb nicht nur aus persönlicher, sondern auch aus unternehmerischer Sicht essenziell.
Warum ist die Prävention von Burnout bei Führungskräften besonders wichtig?
Führungskräfte sind zentrale Einflussfaktoren für Unternehmenskultur, Leistungsfähigkeit und Teamstimmung. Ihr Verhalten prägt, wie im Unternehmen mit Belastung, Veränderung und Stress umgegangen wird. Ist eine Führungskraft dauerhaft überlastet, wirkt sich das auf das gesamte Team aus – bis hin zu sinkender Motivation, Fluktuation oder Konflikten. Eine wirksame Burnout-Prävention schützt daher nicht nur die Führungskraft selbst, sondern sichert langfristig auch die Stabilität und Produktivität der Organisation. Unternehmen, die hier gezielt unterstützen, investieren in ihre Zukunftsfähigkeit.