Im Fokus: nilo Psychologin Julia

Ein globales Team aus Top-Psycholog:innen bildet das Fundament der nilo.health Plattform, auf der jede:r Nutzer:in in Einzelgesprächen individuell und professionell betreut wird. In unserer neuen Reihe möchten wir dir unsere Psycholog:innen näher vorstellen. Diesmal erfährst du mehr über unsere Psychologin Julia, ihre Erfahrung mit mentaler Gesundheit am Arbeitsplatz und ihre Tipps für Führungskräfte. 

Hallo Julia, möchtest du dich kurz vorstellen?

Ich fand es schon immer interessant herauszufinden, warum sich Menschen so verhalten wie sie es tun, und was sie glücklich macht. Nach meinem Psychologiestudium ließ ich mich zur klinischen Psychotherapeutin ausbilden und habe außerdem als Coach mit Menschen gearbeitet, die eine berufliche Veränderung durchleben.

Nach meiner Ausbildung habe ich angefangen, als Coach und Trainerin für ein Humanismus-orientiertes Beratungsunternehmen in der Schweiz zu arbeiten. Ich habe viele Workshops und Coachings für Führungskräfte geleitet und unterschiedliche Arbeitskulturen kennengelernt. Dabei ist mir klar geworden, wie wichtig Coaching für Angestellte aller Unternehmensebenen ist.

Meine Arbeit zeichnet sich durch eine Mischung aus positiver Psychologie, systemischem Coaching, kognitiver Verhaltenstherapie, emotionsfokussierten Methoden, Achtsamkeit und anderen Ansätzen aus. Es bereitet mir große Freude, meinen Klient:innen dabei zu helfen, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Und ich lerne auch viel von ihnen, wofür ich unglaublich dankbar bin! 

Wo lebst du und welche Sprachen sprichst du? 

Ich wohne in Michigan, USA, in der Nähe der Großen Seen und Kanada. Ich spreche Deutsch, Englisch, Französisch und ein bisschen Spanisch. 

Ich fand es schon immer interessant herauszufinden, warum sich Menschen so verhalten wie sie es tun, und was sie glücklich macht.

Wie wirkt sich die Stigmatisierung der mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz auf Angestellte aus? 

Meine Klient:innen erzählen mir oft, dass sie sich unwohl dabei fühlen, jemandem an ihrem Arbeitsplatz mitzuteilen, wie es ihnen wirklich geht. Sie haben Angst, dass sich dies auf eine mögliche Beförderung, Gehaltsverhandlungen oder ihre Beziehung zu ihren Kolleg:innen auswirken könnte.

Viele Unternehmen ermutigen ihre Angestellten zwar, Coachings in Anspruch zu nehmen, doch um Therapie und mentale Gesundheit wird immer noch ein großer Bogen gemacht. Darum reden viele Menschen am Arbeitsplatz lieber nicht offen über ihre Gefühle – es ist eine Art Selbstschutz. 

Wie lässt sich mentale Gesundheit am Arbeitsplatz entstigmatisieren? 

Meiner Meinung nach müssen die Führungskräfte eines Unternehmens (die sozusagen die Elternrolle in diesem System übernehmen) sich als erstes verletzlich zeigen. Zum Beispiel, indem sie über ihre eigenen Schwierigkeiten oder Herausforderungen bei der Arbeit sprechen, vielleicht sogar auf humorvolle Art. Wenn sie zeigen, dass auch sie nicht immer stark sind und alles unter Kontrolle haben, kann das ihre Angestellten deutlich entlasten.

Wie können Angestellte deiner Meinung nach von mentaler Unterstützung am Arbeitsplatz profitieren? Und welche Vorteile ergeben sich dadurch für ein Unternehmen? 

Unsere Probleme sind oft mit anderen Menschen oder Situationen innerhalb bestimmter Systeme verknüpft (z. B. Arbeit oder Familie). Mentale Unterstützung kann Menschen dabei helfen, ihre Herausforderungen schneller, leichter und flexibler zu überwinden, bevor sie außer Kontrolle geraten. Prävention ist das A und O! In den frühen Stadien psychischer Belastungen ist noch alles möglich. Wenn alle Angestellten schnell Unterstützung bekommen, bleiben sie im Gleichgewicht. Das bedeutet weniger Kranktage, höhere Zufriedenheit und gesteigerte Produktivität. 

Ich glaube, dass die Führungskräfte einer Organisation (als die „Eltern des Systems“) die ersten sein sollten, die ihre Verwundbarkeit zeigen.

Kannst du uns von einem Fall erzählen (natürlich anonym!), bei dem du deutlich sehen konntest, wie sich deine Arbeit positiv auf das Leben einer anderen Person ausgewirkt hat? 

Ich habe kürzlich mit einer Person gesprochen, die sich durch ihre Arbeit ausgebrannt fühlte. Wir sprachen über die Bedeutung von Grenzen und welchen Einfluss Stress auf unseren Körper haben kann. Dann haben wir zusammen Strategien erarbeitet. Nach nur einer Woche ging es ihr bereits besser: Sie war in der Lage, ihre:n Vorgesetzte:n um mehr Unterstützung zu bitten, auf ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben zu achten und Grenzen zu setzen. 

Wie können Manager:innen und Führungskräfte deiner Meinung nach ein gesundes Arbeitsumfeld schaffen, in dem das mentale Wohlbefinden aller im Fokus steht? 

Es wäre toll, wenn Führungskräfte noch besser vorleben könnten, wie eine gute Work-Life-Balance aussieht, und sich als Menschen zeigen, die wie alle anderen Stärken und Schwächen haben. Das bedeutet, mehr Rücksicht auf ihr eigenes mentales Wohlbefinden zu nehmen, genügend Pausen einzulegen, nicht jeden Tag 200 % geben zu müssen und zu zeigen, dass Fehler menschlich sind und sich wiedergutmachen lassen.

Einige der Manager:innen, die ich coache, sind bereits mit allen Tools und Methoden vertraut, um tolle Führungskräfte zu sein, können sie aber nicht anwenden. Ein positives Arbeitsumfeld kann entstehen, wenn zum Beispiel Angestellte dazu ermutigt werden, sich selbst mit mehr Mitgefühl zu begegnen, flexible Arbeitszeiten eingeführt und gesunde Grenzen gesetzt werden.

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